bundesweite CSD Termine Alle Termine ohne Gewähr
20. Mai 2006 Minden CSD Minden
21. - 27. Mai 2006 Leipzig CSD Leipzig (Straßenfest 27.5.) 3./4. Juni 2006 Düsseldorf 3. CSD Düsseldorf 3. Juni 2006 Lüneburg CSD Lüneberg 10. Juni 2006 Dresden CSD Dresden 10. Juni 2006 Kiel CSD Kiel 17. Juni 2006 Oldenburg CSD Nord West 17. Juni 2006 Regensburg CSD Regensburg 1. Juli 2006 Bad Segeberg CSD Bad Segeberg 1. Juli 2006 Rostock CSD Rostock 8. Juli 2006 Kassel CSD Kassel 14. - 16. Juli 2006 Köln CSD Köln (Parade 16.7.) 15./16. Juli 2006 Berlin 14. Schwullesbisches Stadtfest 22. Juli 2006 Berlin CSD Berlin 22. Juli 2006 Lübeck CSD Lübeck 22. Juli 2006 Trier CSD Trier 28./29. Juli 2006 Braunschweig Sommerlochfestival (CSD-Parade 29.7.)
28. - 30. Juli 2006 Frankfurt/Main CSD Frankfurt (Parade 29.7.) 4. - 6. August 2006 Hamburg CSD Hamburg (Parade 5.8.) 5. August 2006 Augsburg CSD Augsburg 12. August 2006 Essen CSD Ruhr 12. August 2006 München CSD München 19. August 2006 Siegen CSD Siegen 11. - 20. August 2006 Stuttgart CSD Stuttgart (Parade 19.8.) 26. August 2006 Dortmund 10. Schwul-lesbisches Straßenfest 1. - 10. September 2006 Erfurt CSD Thüringen 9. September 2006 Iserlohn CSD MK
weltweite CSD Termine Christopher Street Day ist eine deutsche Wortschöpfung. Anderswo heißt der CSD (Gay)-Pride. Alle Termine ohne Gewähr 2. - 5. Februar 2006 Thailand - Phuket Gay Pride Phuket (Parade 5.2.) 4. März 2006 Australien - Sydney Mardi Gras
11. - 12. März 2006 USA - Fort Lauderdale PrideFest Fort Lauderdale 8. - 13. Mai 2006 Spanien Gran Canaria Playa del Ingles Maspalomas Pride 12. - 14. Mai 2006 USA - Las Vegas Las Vegas Pride
2. - 29. Mai 2006 GB - Birmingham Birmingham Pride 27. Mai 2006 Belgien - Brüssel BLGP 2006
1.-10. Juni 2006 USA - Key West (Florida) PrideFest Key West
2. - 11. Juni 2006 USA - Boston Gay Pride Boston
3. Juni 2006 Frankreich - Metz Gay Pride Lorraine 4. - 11. Juni 2006 USA - Washington D.C. Gay Pride Washington D.C. 9. - 11. Juni 2006 Schweiz - Zürich CSD Zürich (Parade am 10.6.)
9. - 11. Juni 2006 USA - Los Angeles La Pride celebration
11. Juni 2006 USA - Philadelphia Pride day and festival Philadelphia 16. Juni - 2. Juli 2006 GB - London Europride 2006 (Parade 1.7.)
17. Juni 2006 Frankreich - Lyon Lyon Pride 18. - 25. Juni 2006 USA - New York Hertiage of Pride (The march 25.6.)
20. - 25. Juni 2006 Kanada - Toronto Prideweek Toronto
23. - 25. Juni 2006 USA - Atlanta Atlanta Pride Fest
23. Juni - 2. Juli 2006 Norwegen - Oslo Oslo Lesbian and Gay Pride Week 24. Juni 2006 Irland - Dublin Dublin Pride
24. Juni 2006 Brasilien - Sao Paulo Sao Paulo Pride
24. Juni 2006 Frankreich - Paris Marche des Fiertés Pride
24. Juni 2006 Philippinen - Manila Manila Pride 24. Juni 2006 Mexico City Mexico City Pride
24./25. Juni 2006 Portugal - Lissabon Portugal Pride
24./25. Juni 2006 USA - San Francisco San Francisco Pride
24./25. Juni 2006 USA - Seattle Seattle Pride
25. Juni 2006 USA - Denver (CO) Denver Pride Fest
26. Juni - 2. Juli 2006 Finnland - Helsinki Helsinki Pride 30. Juni - 2. Juli 2006 USA - Chicago (IL) Chicago Pride
30. Juni - 2. Juli 2006 USA - Houston (TX) Pride Houston
1. Juli 2006 Slowenien - Ljubljana Slovenia Pride Parade 1. Juli 2006 Österreich - Wien Regenbogenparade
7. - 9. Juli 2006 Schweiz - Lausanne Pride06
6.-15. Juli 2006 Italien - Rom Lesbian & Gay Pride Rome
8. Juli 2006 Portugal - Porto Porto Pride 15. Juli 2006 GB - Oxford Oxford Pride 28. - 30. Juli 2006 USA - San Diego San Diego pride
30. Juli - 6. August 2006 GB - Brighton Brighton Pride
31. Juli - 6. August 2006 Kanada - Montreal Gay Pride Montreal 31. Juli - 6. August 2006 Schweden - Stockholm Stockholm Pride 4. - 6. August 2006 Niederlande -Amsterdam Amsterdam Pride (Canal Parade 5.8.)
6. - 12. August 2006 Israel - Jerusalem Worldpride 2006 11. - 12. August 2006 Island - Reykjavik Gay Pride Reykjavik 12. - 13. August 2006 Dänemark - Kopenhagen Mermaid Pride
18.-28. August 2006 GB - Manchester Manchester Pride
CSD: Wie ein mächtiger Wutschrei
Die Geschichte eines schwul-lesbischen Feiertages Von Hans-Georg Stümke (16.9.1941 - 29.9.2002)
Das "Stonewall-lnn" an der New Yorker Christopher Street im Jahre 1969. Eine billige Kneipe, in der man für drei Dollar Eintritt die ganze Nacht über bleiben und sich mit einem Getränk begnügen kann.
Das macht die Kneipe hauptsächlich für junge Leute attraktiv. In der Nacht zum Samstag, 28.Juni, findet in den ersten Morgenstunden eine Polizei-Razzia statt, wie sie in New Yorker Szene-Treffs in dieser Zeit Gewohnheit ist: Streifenwagen fahren vor, Polizisten springen heraus, besetzen die Ein- und Ausgänge und stürmen dann ins Innere des Lokals. Etwa 200 Gäste zählt das Stonewall zu dieser Stunde. Jeder einzelne wird von den Cops gefilzt und auf die Straße geschoben. Wer in den Szene-Lokalen verkehrt, muss mit derlei unangenehmen Zwischenfällen rechnen.
Und doch ist diesmal alles anders. Während sich die LokalbesuherInnen bei ähnlichen Razzien eingeschüchtert davonschlichen - bemüht, ihre Anonymität zu wahren - und die Vertreibung durch die Staatsmacht ohnmächtig duldeten, bleiben sie diesmal vor der Tür ihres Lokals stehen. Sie schimpfen, diskutieren, protestieren, machen ihrem Unmut über die Vertreibung mit deftigen Worten Luft. Schwule und lesbische Passanten auf der Christopher Street gesellen sich dazu.
Erste Rufe wie "Weg mit den Bullen!", "Bullen raus!" setzen ein. Inzwischen ist die Menge auf rund 500 Personen angewachsen, doch die Szenerie bleibt zunächst noch friedlich. Das ändert sich jedoch, als plötzlich drei weitere Streifen- und ein Mannschaftswagen eintreffen. Mehrere Cops springen heraus, greifen sich zwei Angestellte des Stonewall und drei Tunten im Fummel aus der Menge und stoßen sie in den Mannschaftswagen. Augenblicklich setzt ein gewaltiges Pfeifkonzert ein.
Rufe wie "Scheiß Bullen!" und "Befreit die Gefangenen!" werden zahlreicher und die Stimmung militanter. Hunderte umringen die Polizeiautos, drohen mit Fäusten, versuchen die Wagen umzukippen und die Verhafteten zu befreien. Die Cops, auf Widerstand nicht vorbereitet, springen in ihre Autos und brausen davon. Das macht den Widerständlern Mut, vertreibt das Gefühl der Ohnmacht. Ein Handgemenge setzt ein.
Unterstützt von einem gewaltigen Pfeifkonzert und dem brodelnden Protestlärm der Menge, greifen jetzt immer mehr Schwule und Lesben zu harten Gegenständen, Münzen, Bierdosen und Steinen, um sie gegen die Polizisten zu schleudern. Zugleich erreichen die aus der Menge gerufenen Parolen eine neue Qualität. "Schlagt die Bullen zusammen!", "Befreit das Stonewall!". Die vor dem Stonewall stehenden Polizisten, darunter der Leiter der Razzia, Polizeiinspektor Pine, werden ängstlich.
Ein Reporter steht an diesem Abend zusammen mit Pine vor dem Eingang des Stonewall lnn. Das weitere Geschehen beschreibt er am 3. Juli 1969 in der Zeitung "Village Voice":
"Pine sagt: ,Wir müssen reingehen, uns drinnen einschließen, das ist sicherer.' Ich gehe mit. Wir schließen die schwere Tür. Die Front des Stonewall besteht größtenteils aus Ziegelsteinen, ausgenommen die Fenster, die von innen mit Sperrholz geschützt sind. Drinnen hören wir das Rütteln an den Fenstern, gefolgt von Geräuschen, die von an die Tür geworfenen Ziegelsteinen stammen müssen. Wir hören aufgebrachte Stimmen."
Draußen, auf der Christopher Street, hat inzwischen die militante Stimmung weiter zugenommen. Die Parole "Stürmt das Stonewall!" setzt sich bei jenen durch, die vorne stehen. Jemand greift einen Mülleimer und schlägt damit ein Fenster ein. Mehrere versuchen, eine Parkuhr aus der Verankerung zu reißen, um sie als Rammbock gegen die Tür ein- zusetzen. Es gelingt. Rufe von weiter hinten Stehenden feuern sie an.
Aus der Sicht der Belagerten berichtet der Reporter weiter: "Plötzlich springt die Tür auf. Bierdosen und Flaschen poltern herein. Während Pine und seine Leute versuchen, die Tür wieder zu schließen, wird ein Polizist am Auge verletzt. Er jammert laut, aber es sieht schlimmer aus, als es ist. Sie alle haben plötzlich Angst bekommen. Drei laufen nach vorn, um die Menge von der Tür aus zu beruhigen. Ein Münzhagel ist die Antwort. Eine Bierdose schlägt gegen den Kopf von Polizeiinspektor Smith. Pine sammelt sich, springt hinaus ins Getümmel, greift jemandem um die Taille, zieht ihn nach hinten und schleift ihn in den Flur. Inzwischen ist es gelungen, die Tür wieder zu schließen. Der Hereingezogene wird von wütenden Polizisten umringt, die ihre Wut an ihm auslassen. Pine sagt zu ihm: ,Ich habe gesehen, wie Sie etwas geworfen haben!'. Unglücklicherweise antwortet der Gefasste und sagt: ,Nur einige Münzen!' Der Polizist, der kurz vorher einen Wurf abbekommen hat, gerät in Wut, schreit etwas wie: ,Dann warst du es, der mich verletzt hat!'. Und während die anderen Polizisten ihn dabei unterstützen, prügelt er fünf-, sechsmal auf den Gefangenen ein. Sie schlagen selbst dann noch auf ihn ein, als er schon fix und fertig ist.
Draußen, vor dem Stonewall, ist eine neue Parole aufgekommen. Sie heißt "Roast the pigs alive!" und zugleich geht der Ruf nach Benzin durch die Menge. Die im Lokal eingeschlossenen Polizisten fangen an, durchzudrehen. Jetzt gibt die Tür an der Seite nach. Ein Polizist schreit ,Verschwindet oder ich schieße!'. Für eine kurze Zeit hört das Rütteln auf. Auf einmal ist die Eingangstür völlig offen. Gleichzeitig fällt mit lautem Getöse eines der Sperrholzfenster herunter und es scheint unvermeidlich, dass die Menge hereinströmt. Alle Polizisten ziehen ihre Pistolen. Sie zielen auf die Tür. Ich höre, wie einer der Polizisten sagt: ,Ich knalle den ersten Motherfucker ab, der durch die Tür kommt!'"
Durch ein zerbrochenes Fenster wird Benzin ins Innere des Stonewall geschüttet und angezündet. In das Brausen der Flammen mischen sich von Ferne die Sirenen der herbeigeholten Polizeiverstärkung. Ein großes Aufgebot erreicht die Christopher Street und das Stonewall. Die Cops beginnen, wild auf die Menge der Schwulen und Lesben einzuprügeln. Es gelingt ihnen, die Demonstranten abzudrängen und das Feuer zu löschen.
Dieser Teil der "Stonewall-Rebellion" dauert ganze 45 Minuten. Es gibt mehrere Verletzte. Dreizehn Personen werden verhaftet. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Kunde in der Szene, dass sich die Gays zu wehren begonnen haben. Als am nächsten Tag viele Schwule und Lesben vor das Stonewall ziehen, um den Ort des Aufbruchs zu besichtigen, finden sie dort eine Menge Kreideinschriften an den Wänden: "Support gay power!", "Drag power!", "They invaded our rights", "Gay is good" und immer wieder "Gay Power!". Noch mehrere Tage lang kommt es auf der Christopher Street zu militanten Auseinandersetzungen zwischen Schwulen, Lesben und der Polizei. Auch der schwule Poet Allen Ginsberg besucht die Christopher Street. "Wir sind eine der größten Minderheiten im Lande", sagt er. "Es wurde höchste Zeit, dass wir was tun, um uns durchzusetzen."
In jener Nacht sprang ein Funke aus dem Stonewall auf die Christopher Street. Von dort ging er um die ganze Welt.
|